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Leadership

Wann verdient ein Mensch die Gefolgschaft seines Hundes?
von Edelgard Siegmund

Auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Odorologie trafen sich Hund-Halter-Paare am 21.-22.02.2015 in Alverskirchen, um die Grundlagen für "Leadership" zu erlernen. Tom Middlemas aus Schottland gab uns erfahrungsreich Einblick in die Mensch-Hund-Beziehung und die Gelegenheit, das Zusammenleben aus Sicht der Hunde zu betrachten und zu begreifen. Anschaulich deckte er Wechselwirkungen auf, wann, wo und wie das gemeinsame Leben gelingt oder scheitert.

Was braucht ein Hund? Futter, ein trautes Heim mit bequemem Platz und Schutz. Außerhalb des eigenen Revieres, also beim Spazierengehen, sind viele Hunde eher unsicher und möchten besonders dann einen souveränen, ruhigen und entspannten Begleiter an ihrer Seite haben. An Letzterem, einem zuverlässigen menschlichen Beschützer, der auch kritische Situationen folgerichtig meistert, mangelt es jedoch oft, was verschiedene Probleme hervorruft: Ziehen und Zerren schadet an beiden Seiten der Leine der Gesundheit. Mit Begegnungen und Umweltreizen überforderte, unsichere bis angstaggressive Mensch-Hund-Gespanne gefährden sich und andere. Selbst trennungsangstgeschädigte Hunde, denen ungewollt die Leitungsposition zugeschoben wird, leiden darunter, dass Menschen Situationen, Verhalten und Signale völlig falsch einschätzen.

Die praktischen Übungen, die wir unter Anleitung durchführen durften, sind einfache Handlungsweisen, erfordern allerdings in der Umsetzung ein komplexes Verstehen hundlicher Wesensart. Als soziale Lebewesen wollen Hunde mit ihren Menschen freundlich kooperieren und fühlen sich bei einem verlässlichen "Leader" wohl und gut aufgehoben. Erfüllt der Mensch diese Anforderungen nicht, so ist der Hund genötigt, selbst einzuspringen und die Führungsrolle zu übernehmen. Dann entwickelt er seine eigenen Strategien, um irgendwie zurechtzukommen und sein Leben und das seiner Sozialpartner zu sichern, was seiner Umwelt nicht unbedingt Freude bereitet.

Was macht einen guten "Leader" aus? Gelassenes, vorausschauend regelndes Beherrschen von Situationen überzeugt und schafft Vertrauen - Unsicherheit, Trösten und/oder sinnlose Kommandobefehle in aufgeheizter Stimmung dagegen nicht.

Viele Hundehalter waren mit ihren Hunden durch Missverständnisse und das Befolgen völlig abwegiger Ratschläge vermeintlicher Experten nicht selten in einen Teufelskreis aus Angst und Aggressivität geraten. Instinkt basierte Reaktionen waren mit erlerntem Fehlverhalten verwechselt worden, die man dann versucht hatte, mit erlernten Unterordnungsübungen zu überlagern. Zunehmende Hilflosigkeit auf beiden Seiten war die Folge.

Umso eindrucksvoller waren die positiven Veränderungen, die unser geändertes Menschenverhalten bei den anwesenden Hunden bewirkte: Die Erleichterung der Hunde, die nach Übernahme der schutzgebenden Führungsrolle durch ihren Menschen sichtlich entspannten und bewundernd und anerkennend zu ihrem Halter aufsahen, sprach für sich. Nun gilt es, das Gelernte im gemeinsamen Tun zeitnah, folgerichtig, konkret und dauerhaft ins eigene Leben mitzunehmen. Ein zunächst für Gewohnheitsmenschen nicht leichtes Unterfangen, das jedoch jeder Mühe wert ist, weil der Erfolg so greifbar ist. Denn ein zufriedener Hund befriedigt auch die menschliche Erwartung: Freude daran zu haben, mit dem Hund harmonisch zusammen zu leben und zu wirken. Gemeinsame Aufgaben verbinden.

Danke Tom sagen Hund und Mensch. Dank auch an den Hof Steinmeier, der für die tollen Erfahrungen beste Bedingungen bot. Wir kommen wieder.